Impressum

Qigong - was ist das?

Von Ralf Jakob

Obwohl schon mehrere tausend Jahre alt und praktiziert, hat die Übungsmethode des  Qigong erst in den letzten Jahren Zugang zu Menschen im Westen gefunden. Was aber ist Qigong eigentlich und was kann es in unserem Alltag bewirken?

Energieubung_Qigong.jpg

Qigong ist ein wichtiger Bestandteil der traditionellen chinesischen Medizin (TCM), nämlich eine der fünf „Säulen“ der TCM. So werden die einzelnen therapeutischen Verfahren der chinesischen Medizin oft bezeichnet. Diese fünf Säulen sind: die Akupunktur und Moxabehandlung, die Arzneimittel- und Kräutertherapie, die Tuina- Massagetechniken, die chinesische Diätetik (oder Ernährungslehre) und eben Qigong. Während die ersten drei Verfahren Experten mit umfangreichen Kenntnissen und Fertigkeiten voraussetzen, können Qigong und die Diätetik als Selbsthilfeverfahren nach sorgfältiger Anleitung auch von Laien eingesetzt werden, um damit den Therapieerfolg zu unterstützen. Ein klassischer TCM-Arzt wird  seine Patienten anhalten zur Mithilfe durch geeignete Ernährung und spezielle Bewegungsformen. Qigong ist im Vergleich zur Akupunktur und zur Arzneimitteltherapie eine eher unspezifische Methode, hat aber den breitesten Wirkungsgrad. Denn damit werden sowohl die körperlichen, seelischen wie geistigen Bereiche  des menschlichen Lebens gleichzeitig angesprochen. Qigong-Übungen lassen sich bei Erkrankungen, aber auch schon frühzeitig zur Prävention von jedem gesunden Menschen zur „Lebenspflege“ und zur Erhaltung der Gesundheit einsetzen.

qigong_ronnie_robinson.jpg

Mit dem Begriff „Qigong“ werden genau genommen erst seit den 50-er Jahren des vergangenen Jahrhunderts alle Übungen zusammengefasst, mit denen man das „Qi“ im eigenen Körper beeinflussen kann. Wesentlich älter nachweisbar, nämlich schon einige Jahrhunderte vor unserer Zeitrechnung, sind die Begriffe „Yangsheng“ („Nähren und Kultivieren des Lebens“) und „Daoyin“ („Übungen zum Leiten und Dehnen“). Der Begriff „Qigong“ hat sich aber inzwischen als Oberbegriff vielfältiger Übetraditionen und –formen  durchgesetzt.

Die Silbe „Qi“ wird meist mit "Lebensenergie" übersetzt. Gemeint ist damit jene Lebenskraft, die wir von Beginn an in uns tragen, die uns mit allem um uns herum verbindet und die wir über Atem, Nahrung und alle anderen Lebensäußerungen ständig aufnehmen und abgeben. Die Silbe „Gong“ kann man mit „ Pflege“, „Arbeit“ oder „beständiges Üben“  übersetzen. Gesprochen wird Qigong übrigens als „Tchigung“, wobei das U in der zweiten Silbe ein Kombinationslaut aus O und U ist.

QigongPark0108-GerdaF.jpgQigong bezeichnet allgemein gesprochen Übungen, in denen das Qi des Menschen durch diesen selbst genährt und gepflegt werden soll. Bei aller Verschiedenheit zielen alle Übungen des Qigong auf Wiederherstellung, Förderung und Erhaltung von Qi im Körper, der Bewahrung des harmonischen Gleichgewichts im Menschen.

Es gibt ganz kleine und einfache Übungen, die leicht zu erlernen sind, aber auch sehr lange und schwierige, wie die verschiedenen Formen des Taijiquan. Taiji - oder nach einer älteren Schreibweise auch Tai Chi geschrieben - kann in Deutschland auf eine etwas längere Tradition als das Qigong zurückblicken. Genau genommen basiert Taiji auf den gleichen Prinzipien und Bewegungsmustern wie das Qigong und kann sehr wohl als eine spezielle und auch sehr anspruchsvolle Form des Qigong verstanden werden.

AlteDame-SW-Strunk-6.JPGQigong kann in jedem Alter geübt werden: es gibt spezielle Übungen für Kinder, bereits ab Kindergartenalter, bis hin zu Übungen für ältere Menschen ohne jegliche Altersbegrenzung. Darüber hinaus ist es möglich, fast jede Krankheit oder Beschwerdemuster  mit speziellen Übungen aus dem „medizinischen Qigong“  abzumildern oder entgegen zu wirken.

„Bewegung überwindet das Kalte, Ruhe überwindet das Heiße.“ Gemäß dieser Aussage von Lao-Tse kann man einerseits Qigong  in „Stilles Qigong“ (Übungen in Ruhe) und „Bewegtes Qigong“ (Übungen in Bewegung) unterteilen. Mit einfachen Selbstmassagen und Akupressur, die auf den Wirkungszusammenhängen der Energieleitbahnen (oder „Meridiane“)  aufbauen, können die Qigong-Übungen noch zusätzlich unterstützt werden.

Kurs-Altdorf-sitzend-P1010280.JPGQigong-Übungen helfen Krankheiten vorzubeugen und die körpereigenen Selbstheilungskräfte zu stärken und zu aktivieren. Sie verhelfen zu tiefer Entspannung, sowohl in körperlicher als auch in geistig-seelischer Hinsicht. Krank machende Verkrampfungen und stressbedingte Störungen im Organismus lösen sich, und ein harmonisches Gleichgewicht zwischen Anspannung und Entspannung wird erreicht. Gesundheitliche Verbesserungen können sich aber nur dann einstellen, wenn man konsequent und über längere Zeit übt – wenige Minuten täglich reichen am Anfang. Probieren Sie es doch einmal aus – dann können Sie die Wirkung des Qigong an sich selbst erfahren und spüren!

 


Qigong – Organisationen

Die Qigong-Übenden haben sich schon seit längerer Zeit – d.h. seit mehr als 20 Jahren - zu Vereine und Verbände zusammengeschlossen und organisiert. Die drei größten Organisationen sind die „Deutsche Qigong Gesellschaft“, das „Taijiquan und Qigong Netzwerk“ und die „Medizinische Gesellschaft für Qigong Yangsheng“ mit Sitz in Bonn – alle in der Rechtsform als eingetragenen Vereine.
Das Taijiquan und Qigong Netzwerk „ist ein Zusammenschluss von Taijiquan- und Qigong-Praktizierenden aus ganz Deutschland. Das Netzwerk ist keinem Stil oder Meister verpflichtet. Es fördert stil- und schulübergreifend die Vielfalt und Verbreitung des Taijiquan und Qigong als gesundheitsfördernden und persönlichkeitsbildenden Weg“ – so lautet die Eigendarstellung. Das 20-jährige Jubiläum wurde schon 2009 gefeiert, weil man annimmt, dass seine Entstehung Ende der 80-er Jahre begann. Formal gegründet wurde der Verein dann 1994. Im Netzwerk sind Taiji- und Qigong-Übende gleichermaßen vertreten und über ganz Deutschland verteilt. Die „Deutsche Qigong Gesellschaft“ wurde in München 1990 gegründet und ist zahlenmäßig die größte Organisation. Mehr als 900 Vereinsmitglieder sind dort zusammengeschlossen – darunter 150 Qigong-LehrerInnen und KursleiterInnen. Ursprünglich aus dem Grund gegründet, um Professor Cong Yongchun aus China, dem ersten Förderer und „Impulsgeber“ in der Anfangszeit,  „offiziell“ einladen zu können, fühlt man sich heute keinem bestimmten Übungsstil verpflichtet. „In der Vielfalt und Offenheit liegt unsere Stärke“ – so die Eigendarstellung. Die „Medizinische Gesellschaft“ hat sich ganz dem von Prof. Jiao Guorui (1923 – 1997) entwickelten Lehrsystem Qigong Yangsheng, dessen Weiterverbreitung und wissenschaftlichen Begleitung verschrieben. Die Lehre Prof. Jiao „stellt ein umfassendes System aus Theorie und Übungsmethoden zur Kultivierung des Lebens - yangsheng – dar“ (wiederum aus einer Selbstdarstellung entnommen).

Darüber hinaus gibt es zahlreiche Schulen, Vereinigungen und einzelne Lehrer in ganz Deutschland, die sich dem Weg des Qigong verschrieben haben. Die größten und wichtigsten haben sich 2003 zum „Dachverband für Qigong und Taijiquan“ (DDQT) als Interessenvertretung  zusammengeschlossen. Mitglieder können nur  Vereine, Verbände oder Anbieter von Ausbildungen im Fachbereich Qigong oder Taiji werden. Unterrichtende in einer der Mitgliedsorganisation erhalten auf Antrag ein „Gütesiegel“ des Dachverbands.

Die Adressen:
Deutscher Dachverband für Qigong & Tajiquan e.V., Am Leinekanal 4, 37073 Göttingen, Tel.: 0551 – 201 99 00, E-Mail: info@ddqt.de
Deutsche Qigong Gesellschaft e.V., Guttenbrunnweg 9, 89165 Dietenheim, Tel.: 07347 – 3439, E-Mail: contact@qigong-gesellschaft.de
Taijiquan und Qigong Netzwerk e.V., Oberkleener Str. 23, 35510 Butzbach, Tel.: 06447- 88 59 37, E-Mail: info@taijiquan-qigong.de
Medizinische Gesellschaft für Qigong-Yangsheng e.V., Colmantstr.9, 53115 Bonn, Tel. : 0228-696004, E-Mail: info@qigong-yangsheng.de

Fotos: Loni Liebermann, Ronnie Robinson und Ralf Jakob, wenn nicht anders gekennzeichent